Gasheizung oder Wärmepumpe: Was ist günstiger?
Von Vinay S · Aktualisiert am 17. Oktober 2026
Gasheizung oder Wärmepumpe: Wer im Betrieb günstiger heizt, entscheidet das Verhältnis von Strompreis zu Gaspreis und die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe. Ein Haus mit 15.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr zahlt bei einer Jahresarbeitszahl von 3,0 und 0,30 € je kWh Strom rund 1.500 €.
Eine Gasheizung mit 95 % Wirkungsgrad und 0,10 € je kWh Gas kostet im gleichen Haus rund 1.579 €. Diese Seite zeigt die Rechnung Schritt für Schritt.
Das Wichtigste in Kürze
- Wärmepumpe: Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ Jahresarbeitszahl.
- Gasheizung: Gasverbrauch = Wärmebedarf ÷ Wirkungsgrad.
- Bei 0,10 € Gas und Jahresarbeitszahl 3,0 liegt die Grenze bei rund 0,32 € Strom je kWh.
- In der Anschaffung ist die Gasheizung meist günstiger.
- Förderung und die aktuellen Heizungsregeln prüfen Sie vor dem Auftrag.
Gasheizung oder Wärmepumpe: Betriebskosten im Vergleich
Beide Systeme liefern dieselbe Wärme. Sie unterscheiden sich darin, wie viel Energie sie dafür kaufen. Vergleichen Sie Wärmepumpe oder Gasheizung deshalb mit denselben Zahlen für Wärmebedarf und Preise.
- Wärmepumpe: Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ Jahresarbeitszahl. Kosten = Stromverbrauch × Strompreis.
- Gasheizung: Gasverbrauch = Wärmebedarf ÷ Wirkungsgrad. Kosten = Gasverbrauch × Gaspreis.
Auf der Gasrechnung steht der Gasverbrauch, nicht der Wärmebedarf. Multiplizieren Sie den Verbrauch mit dem Wirkungsgrad: 15.789 kWh × 0,95 = 15.000 kWh Wärme. Einen Richtwert nennt auch der Energieausweis. Wer den Wärmebedarf eines Gebäudes berechnen will, nutzt den Rechner zum Transmissionswärmeverlust.
Ein Beispiel mit echter Gasrechnung
Ihre Gasrechnung zeigt 17.000 kWh Gas im Jahr. Der Kessel arbeitet mit 90 Prozent Wirkungsgrad. Dann ist der Wärmebedarf des Hauses:
- Wärme: 17.000 × 0,90 = 15.300 kWh pro Jahr
Diesen Wert setzen Sie in die Wärmepumpen-Rechnung ein. Die Jahresarbeitszahl ist 3,2, der Strompreis 0,28 € je kWh und der Gaspreis 0,09 € je kWh:
- Wärmepumpe: Strom = 15.300 ÷ 3,2 = 4.781 kWh, also 4.781 × 0,28 = 1.339 € pro Jahr
- Gasheizung: 17.000 × 0,09 = 1.530 € pro Jahr
Hier liegt die Wärmepumpe rund 190 Euro im Jahr vorn. Der Abstand ist aber klein, und schon ein Strompreis von 0,32 € je kWh würde ihn aufheben: 4.781 × 0,32 = 1.530 €. Mit diesem Wert vergleichen Sie Ihre Rechnung, wenn Sie den Wärmepumpentarif prüfen.
Drei Beispiele mit 15.000 kWh Wärmebedarf
| Fall | Wärmepumpe | Gasheizung |
|---|---|---|
| A: Jahresarbeitszahl 3,0, Strom 0,30 €, Gas 0,10 € | 5.000 kWh × 0,30 = 1.500 € | 15.789 kWh × 0,10 = 1.579 € |
| B: Jahresarbeitszahl 3,5, Strom 0,25 €, Gas 0,12 € | 4.286 kWh × 0,25 = 1.071 € | 15.789 kWh × 0,12 = 1.895 € |
| C: Jahresarbeitszahl 2,5, Strom 0,35 €, Gas 0,10 € | 6.000 kWh × 0,35 = 2.100 € | 15.789 kWh × 0,10 = 1.579 € |
Die Tabelle zeigt nur die Energiekosten. Grundpreis für den Gasanschluss, Schornsteinfeger und Wartung kommen bei der Gasheizung hinzu, Wartung auch bei der Wärmepumpe.
Fall A liegt fast gleichauf. In Fall B gewinnt die Wärmepumpe deutlich, weil die Jahresarbeitszahl hoch ist und ein günstiger Stromtarif gilt. In Fall C gewinnt Gas, weil das Haus eine schlechte Jahresarbeitszahl hat und der Strom teuer ist.
Die Grenze: ab wann lohnt sich die Wärmepumpe?
Die Wärmepumpe ist günstiger, wenn gilt: Strompreis ÷ Jahresarbeitszahl ist kleiner als Gaspreis ÷ Wirkungsgrad. Bei 0,10 € Gas, 95 % Wirkungsgrad und Jahresarbeitszahl 3,0 liegt die Grenze bei einem Strompreis von 0,10 × 3,0 ÷ 0,95 = rund 0,32 € je kWh. Liegt Ihr Strompreis darunter, gewinnt die Wärmepumpe im Betrieb. Bei Jahresarbeitszahl 3,5 steigt die Grenze auf 0,10 × 3,5 ÷ 0,95 = rund 0,37 €.
Die Grenze verschiebt sich mit dem Gaspreis. Steigt er auf 0,12 € je kWh, liegt die Grenze bei Jahresarbeitszahl 3,0 bei 0,12 × 3,0 ÷ 0,95 = 0,38 €. Rechnen Sie also immer mit Ihren eigenen Preisen, nicht mit Durchschnittswerten.
Was die Jahresarbeitszahl bestimmt
- Vorlauftemperatur. Je niedriger, desto besser. Fußbodenheizung ist ideal.
- Dämmung. Ein gedämmtes Haus braucht weniger Wärme und weniger Temperatur.
- Wärmequelle. Erdwärme läuft meist stabiler als Außenluft.
- Einstellung. Eine falsch eingestellte Heizkurve verschenkt Effizienz.
- Warmwasser. Sehr heißes Warmwasser senkt die Zahl.
Die Jahresarbeitszahl ist kein Prospektwert. Sie entsteht im Betrieb aus Wetter, Temperaturen und Einstellungen. Ein Fachbetrieb schätzt sie für Ihr Haus anhand der Heizlast.
Gasheizung oder Wärmepumpe Altbau: Vorlauftemperatur entscheidet
Im Altbau sind die Heizkörper oft für hohe Temperaturen von 70 °C oder mehr ausgelegt. Eine Wärmepumpe erreicht diese Werte nur mit schlechterer Effizienz. Mit größeren Heizflächen oder einer Fußbodenheizung sinkt die nötige Vorlauftemperatur auf 35 bis 45 °C, und die Zahl steigt.
Bei einem ungedämmten Altbau steigt außerdem der Wärmebedarf. Doppelt so viel Wärme bedeutet doppelt so viel Strom, bei gleicher Jahresarbeitszahl. Dämmen Sie deshalb zuerst oder rechnen Sie beide Varianten durch. Ein Fachbetrieb kann mit einer Heizlast-Berechnung zeigen, welche Vorlauftemperatur Ihre Heizkörper brauchen. Dieses Ergebnis entscheidet, ob eine Wärmepumpe im Bestand ohne große Umbauten läuft.
Gasheizung erneuern oder Wärmepumpe? Die Entscheidungshilfe
Viele Eigentümer stehen vor dem Austausch einer alten Anlage. Die Frage lautet dann: Gasheizung erneuern oder Wärmepumpe einbauen? Die Antwort hängt von drei Punkten ab: Was kostet der Strom bei Ihrem Tarif, welche Vorlauftemperatur brauchen Ihre Heizkörper, und welche Förderung und Vorgaben gelten zum Zeitpunkt des Einbaus.
Eine neue Gasheizung kann beim Austausch günstiger in der Anschaffung sein. Sie bindet Sie aber an den Gaspreis und an künftige CO2-Kosten. Eine Wärmepumpe verlangt mehr Vorarbeit. Dafür können Sie mit einem Wärmepumpentarif den Strompreis senken.
Anschaffung, Förderung und Platz
| Punkt | Wärmepumpe | Gasheizung |
|---|---|---|
| Gerät und Einbau | Richtwert 20.000 bis 35.000 € | Richtwert 8.000 bis 15.000 € |
| Förderung | Bundesprogramme möglich | in der Regel keine |
| Vorgaben | Gebäudeenergiegesetz | Gebäudeenergiegesetz, Regeln für neue Gasheizungen können sich ändern |
| Platzbedarf | Außengerät, Speicher | Kessel, Abgasführung |
| Brennstoff | Strom | Erdgas aus dem Netz |
Das sind Richtwerte 2026, regional unterschiedlich. Fördersätze und Bedingungen ändern sich. Prüfen Sie die aktuellen Regeln bei der KfW und beim BAFA, bevor Sie einen Auftrag vergeben. Die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes für neue Heizungen werden derzeit überarbeitet. Klären Sie mit einem Energieberater, welche Auflagen für Ihr Haus gelten.
Planung und Einbau gehören in jedem Fall in die Hand eines Fachbetriebs. Arbeiten an der Gasleitung darf nur ein beim Netzbetreiber eingetragenes Installationsunternehmen ausführen. Den Stromanschluss der Wärmepumpe übernimmt eine Elektrofachkraft.
Auf welche Risiken Sie achten sollten
- Energiepreise. Niemand kennt die Preise der kommenden Jahrzehnte. Rechnen Sie mit zwei oder drei Szenarien.
- CO2-Kosten. Sie erhöhen den Preis fossiler Brennstoffe und können mit der Zeit steigen.
- Gasnetz. Ob Ihr Anschluss langfristig bleibt, fragen Sie Ihren Netzbetreiber.
- Haustechnik. Prüfen Sie, ob die Heizkörper für niedrige Vorlauftemperaturen reichen.
- Wartung. Auch Wärmepumpe und Gaskessel brauchen regelmäßige Checks. Planen Sie diese Kosten in beiden Rechnungen ein, sonst verschiebt sich der Vergleich.
Tipps für die Entscheidung
- Lesen Sie Ihren Gasverbrauch von der Gasrechnung ab und rechnen Sie ihn mit dem Wirkungsgrad in Wärme um.
- Fragen Sie den Fachbetrieb nach der erwarteten Jahresarbeitszahl für Ihr Haus.
- Fragen Sie Ihren Stromversorger nach einem Wärmepumpentarif.
- Rechnen Sie Anschaffung und Betrieb über 15 bis 20 Jahre zusammen.
- Holen Sie mindestens zwei Angebote ein.
Einen direkten Vergleich mit Ihren Zahlen bietet der Rechner Wärmepumpe oder Gasheizung. Die Kosten einer Wärmepumpe im Detail erklärt der Ratgeber Wärmepumpe Kosten 2026. Was eine neue Gasheizung kostet, zeigt der Rechner Gasheizung Kosten. Die nötige Heizleistung ermitteln Sie mit dem Rechner Heizlast berechnen. Was der Strom im Haushalt kostet, zeigt der Stromkosten-Rechner.
Häufige Fragen
Was ist besser, Gasheizung oder Wärmepumpe?
Das hängt von Strompreis, Gaspreis und Jahresarbeitszahl ab. Mit 0,30 € je kWh Strom, 0,10 € je kWh Gas und einer Jahresarbeitszahl von 3,0 gewinnt die Wärmepumpe im Betrieb knapp: 1.500 € zu 1.579 € im Jahr. Die Anschaffung kommt dabei noch extra.
Was ist günstiger, Gasheizung oder Wärmepumpe?
Im Betrieb ist die Wärmepumpe günstiger, wenn der Strompreis durch die Jahresarbeitszahl kleiner ist als der Gaspreis durch den Wirkungsgrad. Bei 0,10 € Gas und 95 % Wirkungsgrad liegt die Grenze bei rund 0,32 € Strom je kWh, mit Jahresarbeitszahl 3,0. In der Anschaffung ist die Gasheizung meist günstiger.
Was ist teurer, Gasheizung oder Wärmepumpe?
In der Anschaffung ist die Wärmepumpe meist teurer, als Richtwert 2026 oft 20.000 bis 35.000 € gegenüber 8.000 bis 15.000 € für eine Gasheizung. Im Betrieb kann es umgekehrt sein, wenn der Strom teuer ist oder die Jahresarbeitszahl niedrig liegt.
Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?
Im Altbau lohnt sie sich oft dann, wenn die Heizkörper mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommen oder das Haus gedämmt wird. Braucht das System hohe Temperaturen, sinkt die Jahresarbeitszahl deutlich. Eine Heizlast-Berechnung und ein Check der Heizkörper zeigen, was machbar ist.
Was bedeutet Jahresarbeitszahl?
Die Jahresarbeitszahl sagt, wie viel Wärme die Wärmepumpe über ein Jahr aus einer kWh Strom macht. Bei 3,0 entstehen aus 1 kWh Strom 3 kWh Wärme. Sie liegt oft niedriger als die Zahl im Prospekt, weil sie auch kalte Tage und Warmwasser enthält.
Wie entwickeln sich die Gaspreise?
Dazu gibt es keine sichere Prognose. Gaspreise enthalten auch CO2-Kosten, die laut Gesetz schrittweise steigen können. Rechnen Sie darum mit mehreren Preisen, wie in den Beispielen unten.