Dachneigung messen: vom Boden, vom Dachboden und mit App

Von Vinay S · Aktualisiert am 17. Oktober 2026

Dachneigung messen Sie mit nur zwei Längen: der Höhe und dem waagerechten Abstand. Teilen Sie die Höhe durch den Abstand. Bei 0,70 m Höhe auf 1,00 m Länge sind das 0,70, also 70 % Steigung oder 35 Grad.

Dieser Ratgeber zeigt drei sichere Wege: vom Dachboden, am Giebel und mit dem Handy. Sie müssen dafür nicht aufs Dach steigen. Das ist wichtig, denn Stürze vom Dach gehören zu den gefährlichsten Unfällen am Haus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Formel: Steigung = Höhe ÷ waagerechter Abstand.
  • Beispiel: 70 cm ÷ 100 cm = 0,70, also 70 % oder 35 Grad.
  • Sicherster Weg: Wasserwaage von 1 m Länge im Dachboden.
  • Handy-Apps zeigen Grad, liegen oft bei etwa 1 Grad Genauigkeit.
  • Für Materialbestellungen messen Sie an mehreren Stellen nach.

Dachneigung messen: der Überblick

Die Dachneigung wird auf drei Arten angegeben. Alle meinen dasselbe.

  • Grad: der Winkel zur Waagerechten, zum Beispiel 35 Grad.
  • Prozent: Höhe ÷ Länge × 100, zum Beispiel 70 %.
  • Verhältnis: Höhe zu Länge, zum Beispiel 0,70 zu 1.

Im Bauplan steht meist der Winkel in Grad. Auf Baustellen und in Angeboten findet man auch Prozent. Wer zwischen beiden umrechnet, vermeidet Fehler bei der Bestellung.

Dachneigung mit Wasserwaage messen: vom Dachboden

Das ist der sicherste Weg. Sie brauchen eine Wasserwaage von mindestens 1 m Länge und einen Zollstock.

  1. Legen Sie die Wasserwaage waagerecht an einen Sparren. Das Ende stützt sich am Sparren.
  2. Messen Sie auf der Wasserwaage 1 m ab.
  3. Messen Sie von dieser Stelle senkrecht nach oben bis zum Sparren.
  4. Dieser Abstand ist die Steigung je Meter.

Beispiel: Der Abstand beträgt 70 cm. Das sind 70 ÷ 100 = 0,70. Die Steigung ist 70 %. Der Winkel ist arctan 0,70 = 35,0 Grad.

Messen Sie an drei Stellen des Dachs. Sie erhalten zum Beispiel 68 cm, 70 cm und 72 cm. Der Mittelwert ist (68 + 70 + 72) ÷ 3 = 70 cm. Mit 70 cm rechnen Sie dann weiter.

Dachneigung mit Zollstock messen: am Giebel

Hier brauchen Sie keine Leiter. Sie benötigen die Breite des Hauses am Giebel und die Höhe des Firsts über der Traufe. Beide Maße finden Sie im Bauplan oder messen sie mit einem Zollstock oder einem Laser-Entfernungsmesser.

  1. Teilen Sie die Giebelbreite durch 2. Das ist der waagerechte Abstand von der Traufe zum First.
  2. Messen Sie die Höhe vom Traufpunkt bis zum First.
  3. Teilen Sie die Höhe durch den halben Abstand.

Beispiel: Das Haus ist 9 m breit. Der First liegt 3,15 m über der Traufe.

  • Halbe Breite: 9 ÷ 2 = 4,5 m
  • Verhältnis: 3,15 ÷ 4,5 = 0,70
  • Steigung: 70 %
  • Winkel: 35 Grad

Der Rechner für die Dachneigung nimmt Ihnen die Arbeit ab. Er ist hier: Dachneigung berechnen.

Mit dem Handy: die Neigungsmesser-App

Neigungsmesser-Apps nutzen den Lagesensor im Handy. Sie zeigen den Winkel in Grad.

  • Anlegen: Legen Sie das Handy mit der langen Kante an einen Sparren oder eine Dachlatte, die Sie vom Dachboden erreichen.
  • Kalibrieren: Prüfen Sie zuerst auf einer ebenen Fläche, ob die App 0 Grad zeigt.
  • Mehrfach messen: Wiederholen Sie die Messung an zwei oder drei Stellen. Ein verzogener Sparren verfälscht den Wert.

Die Genauigkeit liegt meist bei etwa 1 Grad. Das reicht für eine erste Schätzung. Bei 35 Grad bedeutet 1 Grad Abweichung eine Änderung der Steigung um etwa 2 Prozentpunkte. Für eine Bestellung messen Sie lieber mit Wasserwaage und Zollstock nach.

Dachneigung Tabelle: Grad, Prozent und Faktor

Mit diesen Werten rechnen Sie schnell um. Sie gelten für Steigung = Tangens des Winkels.

Neigung in Grad Steigung in Prozent Dachflächenfaktor
15 Grad 26,8 % 1,035
20 Grad 36,4 % 1,064
25 Grad 46,6 % 1,103
30 Grad 57,7 % 1,155
35 Grad 70,0 % 1,221
40 Grad 83,9 % 1,305
45 Grad 100,0 % 1,414

Der Dachflächenfaktor ist 1 geteilt durch den Kosinus des Winkels. Mit ihm multiplizieren Sie die Grundfläche und erhalten die Dachfläche.

Was die Neigung für Ihre Bestellung bedeutet

Ein geneigtes Dach ist größer als sein Grundriss. Bei 35 Grad ist die Fläche um den Faktor 1,221 größer.

  • Grundfläche: 12 m × 9 m = 108 m²
  • Dachfläche: 108 × 1,221 = 131,8 m²
  • Mehrfläche: rund 22 %

Diese Fläche entscheidet über die Menge an Ziegeln, Latten und Unterspannbahn. Die Rechner dazu: Dachfläche berechnen und Dachziegel pro m². Auch die Sparrenlänge hängt vom Winkel ab. Sie berechnen sie mit dem Rechner für die Sparrenlänge.

Die Neigung bestimmt auch, welche Eindeckung erlaubt ist. Jede Art hat eine Mindestneigung, die der Hersteller nennt. Ziegel brauchen meist mehr Neigung als Blech. Prüfen Sie die Angabe, bevor Sie bestellen. Für Holz gilt Ähnliches, wie der Ratgeber zu Dachschindeln aus Holz zeigt.

Messwerte festhalten und umrechnen

Notieren Sie jede Messung mit Datum und Ort. So erkennen Sie Ausreißer schnell. Nehmen wir drei Messungen am Dachboden: 68 cm, 70 cm und 72 cm. Der Mittelwert ist (68 + 70 + 72) ÷ 3 = 70 cm. Damit rechnen Sie weiter:

  • Steigung: 70 ÷ 100 = 0,70
  • Prozent: 0,70 × 100 = 70 %
  • Winkel: arctan(0,70) = 35,0 Grad
  • Dachflächenfaktor: 1 ÷ cos(35,0°) = 1,221

Ein Dach mit 10 m × 8 m Grundfläche bei 35 Grad hat damit eine Dachfläche von 80 × 1,221 = 97,7 m².

Reicht der Zollstock nicht bis zum Sparren, nehmen Sie eine gerade Latte als Verlängerung. Messen Sie die Länge der Latte mit und ziehen Sie sie vom Ergebnis ab. So vermeiden Sie den häufigsten Rechenfehler bei langen Wegen.

Sicher auf dem Dachboden messen

Der Dachboden ist kein Wohnraum. Die Decke zwischen den Balken trägt nicht. Treten Sie nur auf Balken, Dielen oder feste Trittbretter. Eine Taschenlampe hilft, die Balken im Halbdunkel zu sehen. Halten Sie den Abstand zu Dachluken und Schornsteinen ein. Wer unsicher ist, misst vom Boden aus am Giebel mit dem Laser-Entfernungsmesser.

Typische Neigungen

Die Werte sind Richtwerte. Den Wert für Ihr Haus nennt der Bauplan.

Dachform Neigung grob
Flachdach 0 bis 5 Grad
Pultdach 5 bis 25 Grad
Satteldach 30 bis 45 Grad
Steildach, Mansarde, Walmdach 30 bis 50 Grad

Häufige Fehler beim Messen

  • Waagerecht statt senkrecht: Die Wasserwaage muss wirklich waagerecht liegen. Prüfen Sie die Luftblase.
  • Verzogene Sparren: Messen Sie an mehreren Stellen und nehmen Sie den Mittelwert.
  • Falscher Bezugspunkt: Messen Sie am Giebel bis zur Traufe, nicht bis zum Boden. Höhe und halbe Breite müssen sich auf denselben Punkt an der Traufe beziehen, sonst verfälscht der Dachüberstand das Ergebnis.
  • Schräg gemessene Länge: Der Abstand muss waagerecht sein, nicht entlang der Dachfläche.
  • Prozent und Grad verwechselt: 45 % sind nicht 45 Grad. 45 Grad entsprechen 100 %.
  • Unsicher auf dem Dach: Steigen Sie nicht ohne Sicherung aufs Dach. Beauftragen Sie bei Bedarf einen Dachdecker.

Warum der Winkel die Kosten verändert

Der Winkel wirkt auf drei Posten: die Fläche, die Sparren und die Befestigung. Die Fläche wächst mit dem Faktor. Bei 30 Grad sind es 1,155, bei 40 Grad schon 1,305. Das heißt: Ein Dach mit 40 Grad braucht bei gleicher Grundfläche rund 13 % mehr Eindeckung als eins mit 30 Grad.

  • 108 m² Grundfläche bei 30 Grad: 108 × 1,155 = 124,7 m²
  • 108 m² Grundfläche bei 40 Grad: 108 × 1,305 = 140,9 m²
  • Unterschied: 140,9 − 124,7 = 16,2 m²

Eine steilere Neigung braucht außerdem längere Sparren. Ein Angebot sollte deshalb immer die Neigung nennen, auf der die Fläche beruht.

Kurz zusammengefasst

  1. Messen Sie die Höhe und den waagerechten Abstand.
  2. Teilen Sie die Höhe durch den Abstand.
  3. Das ist die Steigung. Mal 100 sind es Prozent.
  4. Mit dem Arkustangens erhalten Sie den Winkel in Grad.
  5. Multiplizieren Sie die Grundfläche mit dem Dachflächenfaktor.

Häufige Fragen

Wie messe ich die Dachneigung?

Am sichersten messen Sie vom Dachboden aus. Sie brauchen eine Wasserwaage von 1 m und den senkrechten Abstand zum Sparren. 70 cm bedeuten 70 %, das sind 35 Grad.

Wie messe ich die Dachneigung mit der Wasserwaage?

Legen Sie die Wasserwaage waagerecht an einen Sparren und messen Sie 1 m ab. Messen Sie dann senkrecht bis zum Sparren. Dieser Abstand ist die Steigung je Meter, bei 70 cm also 0,70.

Wie messe ich die Dachneigung mit dem Handy?

Mit einer Neigungsmesser-App legen Sie das Handy an eine gerade Latte oder einen Sparren. Die Genauigkeit liegt oft bei etwa 1 Grad, wenn das Handy kalibriert ist. Messen Sie an zwei oder drei Stellen und nehmen Sie den Mittelwert.

Wie rechne ich Grad in Prozent um?

Der Tangens des Winkels mal 100 ergibt die Prozent. 35 Grad sind tan(35°) = 0,700, also 70 %. Umgekehrt bilden Sie den Arkustangens von 0,70, das ergibt 35 Grad. 45 Grad entsprechen 100 %.

Welche Dachneigung ist in Deutschland üblich?

Bei Satteldächern sind etwa 30 bis 45 Grad häufig. Pultdächer haben oft nur wenige Grad bis etwa 25 Grad, Flachdächer 0 bis etwa 5 Grad. Den Wert für Ihr Haus nennt der Bauplan.